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50 Vorgärten-Programm

Steingärten entsiegeln, Vorgärten begrünen!

Die Stadt Velbert fördert bis zum 30. November 2021 etwa 50 Aufwertungen zu ökologisch wertvollen Vorgärten mit jeweils bis zu 1.000€, bzw. 2.000€ bei zusätzlicher Entsiegelung. Pro Quadratmeter können bis zu 100€ Zuschuss vergeben werden. Nun startet die Antragsphase für alle Velberter Bürger. Dabei soll auch gezeigt werden, dass begrünte Vorgärten pflegeleicht und dennoch umweltwirksam sein können.
Das 50 Vorgärten-Programm soll möglichst viele Velberter Bürger zum Umdenken bewegen und einen finanziellen Anreiz zur Vorgartenbegrünung liefern. In einer Zeit fortschreitender Flächenversiegelung und immer neuen Hitzerekorden kann eine Ausbreitung von Schotter- und Steingärten nicht zielführend sein. Wir brauchen dringend ein dichtes Netz aus Grünstrukturen, um auf die zukünftigen klimatischen Herausforderungen vorbereitet zu sein. Ein grüner Vorgarten ist bereits ein guter Anfang, insbesondere wenn er flächendeckend vorzufinden ist.
Wir möchten ausdrücklich darauf hinweisen, dass die Stadt Velbert ausschließlich ökologisch wertvolle Maßnahmen fördert. Dort wo es möglich ist, sollen natürliche Materialien zur Gestaltung eingesetzt werden, Wege sollten möglichst versiegelungsarm angelegt werden, was durch Versickerungsfugen oder den Einsatz von Kies erreicht werden kann. Wir hoffen, dass über den Förderzeitraum hinaus viele ökologische Vorgärten umgesetzt werden und wir mit dem Programm einen nachhaltigen Sinneswandel in Velbert einleiten können.

Zeitlicher Ablauf

Anträge können ab sofort bei der Stadt Velbert gestellt werden. Nach erfolgter Antragsstellung vereinbart unter Garten- und Landschaftsbauer einen kostenfreien Beratungstermin mit Ihnen. Erst im Anschluss reichen Sie alle erforderlichen Anlagen nach und können nach Prüfung der Stadt Velbert mit der Vorgartenaufwertung beginnen. Die beantragten Maßnahmen müssen bis zum 30. November 2021 umgesetzt werden. Bei Nachfragen zur Antragsstellung oder Abwicklung des Projekts können Sie sich gerne telefonisch oder per E-Mail an Herrn Geißler wenden (02051/26-2779 bzw. thomas.geissler@velbert.de).

Antragsformular
Förderrichtlinien
Kostenaufstellung

Pflanztipps und Entwürfe zur ökologischen Vorgartengestaltung

Im Rahmen des „50 Vorgarten-Programms“ möchte die Stadt Velbert allen Vorgartenbesitzern hilfreiche Pflanz- und Pflegetipps mit an die Hand geben, um über die Förderung einzelner Vorhaben hinaus Anreize zur sachgerechten Begrünung zu schaffen, ohne dabei den Pflegeaufwand für Besitzer zu erhöhen.
Im Auftrag der Stadt Velbert hat Ronald Gajda, staatlich geprüfter Techniker im Garten - und Landschaftsbau aus Langenberg, Entwürfe für unterschiedliche Standortbedingungen erstellt und gibt Tipps zu Bodenvorbereitung und Pflanzenwahl. Die Entwürfe beinhalten stets auch immergrüne Arten, eine große Vielfalt standortgerechter Stauden und ermöglichen meist eine Blüte über das gesamte Jahr. Dabei sorgt eine sachgerechte Vorbereitung für einen hohen Blüherfolg und senkt den nachfolgenden Pflegeaufwand.

Bodenvorbereitung und Einsatz von Pflanzen

Eine geeignete Bodenvorbereitung ist das A und O für den Erfolg einer Bepflanzung. Unsere meist lehmigen Oberböden bedürfen einer „Abmagerung“ durch reichlich Zugabe von bodenbelüftenden Stoffen, z.B. Kiessand oder besser: Lava-Splittsand. Der Humusanteil sollte nicht übertrieben werden, kleinere Steinanteile können ruhig verbleiben. Alle Pflanzen aus den nachfolgenden Entwürfen kommen aus Naturstandorten mit mageren Böden, z.B. aus Berg- oder Steppenregionen und sind entsprechend trockentolerant. Blumenerde als Substrat sollte hier absolut vermieden werden! Eine ausgewogene Nährstoffversorgung ist stets entscheidend, sie kräftigt den Wuchs- und Blühwillen und sichert die Dauerhaftigkeit der Pflanzen.
Flächenpflanzen sollten in Mengen von 8-12 Stück pro m² geplant werden, deren Wuchsgeschwindigkeit aneinander angepasst sind. Dies sichert eine Füllung der Flächen von mind. 75% im dritten Standjahr und führt so zu einer nur noch wenig pflegeintensiven Anlage. Solitäre Stauden oder Gehölze werden sparsam gesetzt, sie erreichen ihr endgültiges Erscheinungsbild erst Jahre später. Ein gegenseitiges Bedrängen muss dann ausgeschlossen sein!

Informationen zum Nutzen für Klima- und Artenschutz sowie die Pflegeleichtigkeit begrünter Vorgärten finden Sie in unserem Vorgartenflyer „Grün ist der neue Garten“. Druckexemplare liegen in den Servicebüros und Büchereien der Stadt aus.

Entwürfe und Pflanzlisten

  
1. Sonnig / Südausrichtung 

Eigenschaften: hohe Trockenheits- und Wärmetoleranz, vielfältige Blütenzeiträume und schöne Laubfärbungen, insektenfreundlich, Einsatz immergrüner Arten, hohe Trittfestigkeit (für Pflegegänge)

Gestaltung: Die Gruppierung der Flächenarten ist in Wuchshöhen leicht gestuft, die abgestufte Anordnung, kombiniert mit den höheren Arten der Streupflanzen/Gehölze (hier Solitärstauden) – ergibt verschiedene interessante Ansichten der Pflanzung aus allen Blickrichtungen. Die Artenwahl begünstigt dies durch die Wahl horstbildender, nicht überhängender Formen. Die Streupflanzen werden nach neuester Lehre teils sehr aufgelockert gepflanzt, da die Fläche so naturnah und „ausgespannt“ wirkt.

Beispielpflanze: Phlomis russeliana (Brandkraut), eine Pflanze mit kompaktem, kräftigem, großblättrigem Blattquirl, auffallenden, reichen gelben Blütenständen in Etagenform, diese bis zu 80cm hoch. Attraktiv auch die trockenen Samenstände, welche bis über den Winter hinweg zur Zierde verbleiben können.

Streupflanzen/Stauden
-    Gaura lindheimerii - Prachtkerze
-    Sedum telephium „Herbstfreude“ – Hohe Fetthenne
-    Calamagrostis acutiflora „Karl Förster“ – Garten-Reitgras
-    Yucca filamentosa – Fädige Palmlilie

Flächenpflanzen/Bodendecker
-    Chrysogonum virginianum – Virginia-Goldkörbchen
-    Iberis saxatilis – Felsen-Schleifenblume
-    Iberis sempervirens - Immergrüne Schleifenblume
-    Geranium macrorhizum – Felsen-Storchschnabel
-    Cotoneaster dammeri – Teppichmispel (begehbar)
-    Salvia memorosa – Hain-Salbei/Steppen-Salbei
-    Phlox subulata „Candy stripes“ – Teppich-Flammenblume

Entwurf - Südausrichtung

 

2. Halbschatten / West-Ost Ausrichtung

Eigenschaften: standortneutrale Arten, anpassungsfähig für Lichtwechsel, Kombination aus Stauden und Gehölzen, kontrastierende Laubfärbungen, abgestimmte Blühzeiträume und Einsatz immergrüner Arten, Fruchtschmuck, Schutz für Kleintiere und Singvögel

Gestaltung: Das Hauptaugenmerk liegt hier auf den höheren Einzelpflanzen (Solitäre), die in der Anordnung zur dichteren Baumasse hin deren Volumen in die Fläche „übergeben“ und diese entsprechend einbeziehen. Eher abweisende, ungünstige Bebauungen (hier: Mauer und Containerplatz) werden durch lichte, helle Berankungen auch optisch aufgewertet. Die Gruppierung der Flächenarten ist in Wuchshöhen wenig gestuft und steht mit den höheren Arten der Solitäre somit im Kontrast. Dies sorgt für eine ausgesprochen raumbildende Wirkung. Diese wird aus allen Perspektiven und Blickwinkeln ersichtlich.

Beispielpflanze: Die Solitärpflanze „Mahonia bealii“, ein palmenartig aufrechtes, immergrünes Gehölz uralter Abstammung, Blüte ab Dezember, folgend Beerenschmuck.

Streupflanzen/Stauden
-    Astilbe chinensis „Pumila“ – Zwerg-Prachtspiere
-    Aruncus sylvester  Waldgeißbart
-    Chaenomeles japonica – Japanische Zierquitte
-    Euphorbia amygdaloides. „Purpurea“ – Rotblättrige Wolfsmilch
-    Euphorbia polychroma – Gold-Wolfsmilch
-    Heuchera micrantha – Kleinblütiges Silberglöckchen
-    Lythrum salicaria – Blut-Weiderich
-    Mahonia bealii – Schmuck-Mahonie
-    Spiraca japonica „Golden Princess“ – Gelbe Zwergspiere

Flächenpflanzen/Bodendecker
-    Hedera helix – Weißbunter Efeu (Berankung)
-    Ajuga reptans – Kriechender Günsel
-    Bistorta affinis – Teppich-Knöterich
-    Carex morrowii „variegata“ – Weißbunte Japan-Segge
-    Geranium platypetalum – Breitblättriger Storchschnabel
-    Hakonechloa macra „Aureola“ Japan-Goldbandgras
-    Vinca minor – Kleinblättriges Immergrün
-    Waldsteinia ternata – Teppich-Golderdbeere

Entwurf - West-Ost Ausrichtung

 

3. Schatten / Nordausrichtung

Eigenschaften: Kombination aus Stauden und Gehölzen, helle Laubfärbungen in Kontrast zu dunkleren Arten, Blühzeiträume über das ganze Jahr und Einsatz immergrüner Stauden, hohe Trittfestigkeit an Pflanzungsrändern

Gestaltung: Die Wiederholung von artengleichen Gruppen im kleinen Beetrand lässt die gesamte Fläche gestreckter erscheinen. Die Höhenabstufungen der Gruppen sind hier stärker gegeben, um der umgebenden Baumasse mit einem deutlichen Erscheinungsbild zu entsprechen. Ungünstige Flächenpunkte (Containerplatz, Schlupfecken) werden durch pflanzliche Betonung mit einer Berankung oder Solitärgehölzen optisch begünstigt, und damit die Wegeführungen auch besser markiert.

Beispielpflanzen: Die Viburnum-Arten sind Herbst-/Winderblüher, „tinus“ ist immergrün, „farreri“ duftet angenehm. Durch das Zentrum führt ein Pflanzenläufer, der zur Pflegezwecken betretbar ist.

Streupflanzen/Stauden
-    Aruncus dioicus „Kneiffii“ – Geschlitztblättriger Geißbart
-    Carex morrowii „Variegata“ – Weißbunte Japan-Segge
-    Euphorbia amygdaloides – Mandelblättrige Wolfsmilch
-    Hosta - Funkie
-    Heuchera micrantha „Caramel“ – Zottiges Silberglückchen
-    Ligustrum ovalifolium „Aureum“ - Goldliguster
-    Phlomis russeliana – Syrisches Brandkraut
-    Polystichum setiferum – Grannen-Schildfarn
-    Rodgersia podophylla – Gestieltblättriges Schaublatt
-    Stachys grandiflora “Superba” – Purpur-Ziest
-    Viburnum farreri – Duft-Schneeball
-    Viburnum tinus – Mittelmeer-Schneeball

Flächenpflanzen/Bodendecker
-    Epimedium perralchicum “Frohnleiten” - Elfenblume
-    Geranium versicolor – Veränderlicher Storchschnabel
-    Heuchera micrantha „Rachel – Kleinblütiges Silberglöckchen
-    Pulmonaria saccharata „Mrs. Moon“ – Großgeflecktes Lungenkraut
-    Symphytum grandiflorum – Kleiner Kaukasus-Beinwell
-    Vinca Minor – Kleinblättriges Immergrün

Entwurf - Nordausrichtung

 

4. Vollschatten, z.B. durch Bäume

Eigenschaften: geringer Lichtanspruch, kontrastierende Blattformen und -farben Pflanzen als Insektenhort und Jahresschutzraum für Kleintiere, Einsatz von Vorfrühlingsblühern

Gestaltung: Baum oder Bäume bieten einen „Waldaspekt“ als Raumbildner, beherrschen aber den Unterwuchs durch Wurzelkonkurrenz und Lichtmangel. Zur Bepflanzung schränkt sich hier die Auswahl auf absolute Schattenpflanzen ein. Die Gruppierung der Flächenarten ist in Wuchshöhen abgestuft, die Wahl der Anordnung, kombiniert mit den wenigen höheren Arten der Gehölze, soll einen natürlich-lockeren „Waldsaumeffekt“ vermitteln. Die Haupt- Blickrichtungen beginnen mit eher offenen Pflanzengruppen, in den tieferen Schatten sich auch verdichtend. Durch Lichten der Baumkronen wird der Gesamtbestand andauernd stabilisiert, Bodenverbesserung der Pflanzung soll auch auf den vorhandenen Baumwurzelflächen erfolgen, wenn die Art es zulässt.

Beispielpflanze: Solitärgehölze, hier z.B. Ilex, ein immergrünes, gelbbuntes Laubgehölz

Streupflanzen/Stauden
-    Elaeagnus angustifolia “Aureomarginata” – Schmalblättrige Ölweide
-    Helleborus niger - Christrose
-    Hosta sieboldiana – Blaublatt-Funkie
-    Milium effusum “Aureum” – Gelbes Flattergras
-    Phyllitis scolopendrium - Hirschzungenfarn
-    Rodgersia pinnata – Fiederblättriges Schaublatt
-    Taxus media “Fastigiata Aurea” – Gold-Säuleneibe
-    Viburnum davidii – Immergrüner Kissen-Schneeball

Flächenpflanzen/Bodendecker
-    Hedera helix “Goldheart” – Gelbbunter Efeu (Berankung)
-    Asarum europaeum – Heimische Haselwurz
-    Anemone blanda “Blue Shades” – Strahlen-Windröschen
-    Ilex aquifolium “Rubricanlis Aurea” – Gelbbunte Stechpalme
-    Laminastrum galeobdolon - Goldnessel
-    Liriope muscari - Lilientraube
-    Luzula sylvatica – Wald-Hainsimse
-    Pulmonaris officinalis – Geflecktes Lungenkraut
-    Pachysandra terminalis “Variegata” – Zweifarbiges Dickmännchen
-    Tiarella cordifolia – Herzblättrige Schaumblüte

Entwurf - Vollschatten

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