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Lärmminderungsplan 2006

Vorgehensweise und Ergebnisse

Im Rahmen der Neuaufstellung des Flächennutzungsplanes wurde im Januar 2005 ein Ingenieurbüro beauftragt einen Lärmminderungsplan für das Stadtgebiet zu erstellen. Da die Umsetzung der Umgebungslärmrichtlinie in deutsches Recht damals noch bevorstand, ist die für den FNP vorliegende Lärmkartierung nach altem Recht erstellt worden. Es wurde jedoch darauf geachtet, dass die Ergebnisse mit wenig Aufwand den Anforderungen an die strategische Lärmkartierung der Umgebungslärmrichtlinie angepasst werden können. Die Richt- und Orientierungswerte bleiben nach deutschem Recht unverändert. Zusätzlich zu den Lärmarten Verkehr und Gewerbe, die nach der EU Umgebungslärmrichtlinie zu untersuchen sind, wurde der Sport- und Freizeitlärm ebenfalls untersucht.

In der Untersuchung zur Lärmminderung bei der Stadt Velbert wird als Grenze der erheblichen Beeinträchtigung der jeweils geltende Richt- oder Grenzwert verwendet. Da ein großer Teil der Bevölkerung einem Verkehrslärm ausgesetzt ist, der höher ist als die Orientierungswerte, wurden bei der Festlegung einer Prioritätenliste für lärmmindernde Maßnahmen nur Gebiete berücksichtigt, bei denen die Überschreitung mehr als 10 dB beträgt.

Im Lärmminderungsplan werden in einer ersten Stufe die Geräuschimmissionen flächendeckend in 5 dB(A)-Stufen dargestellt, die durch die Lärmarten Verkehr, Gewerbe, sowie Sport und Freizeit, sowie der Summenbelastung hervorgerufen werden. Die zweite Stufe stellen die Konfliktkarten dar, die ausgehend von der Empfindlichkeit des Gebietes, so wie es der Flächennutzungsplan ausweist, diejenigen Gebiete aufzeigen, in denen die Orientierungswerte der DIN 18005 bzw. beim Sport- und Freizeitlärm die Immissionsrichtwerte der 18. BImSchV überschritten sind. Die Höhe der Überschreitungen wird ebenfalls in sog. Konfliktkarten in 2,5 dB-Stufen dargestellt.

Im letzten Schritt werden die Konfliktgebiete sowohl nach dem Ausmaß der Überschreitung als auch nach der Anzahl der Betroffenen gewichtet und hieraus eine Prioritätenliste für Aktionspläne entwickelt. Bezüglich der erforderlichen Aktionen werden zunächst nur wenige Hinweise gegeben, da die vorgeschlagene Prioritätenliste durch lärmfremde Sachzwänge verändert werden kann.

Die massivsten Konflikte werden durch den Verkehrslärm hervorgerufen, wobei die Wilhelmstraße in Neviges die höchste Gewichtung erhält. Es folgen die Straßen Bonsfelder Straße, Hauptstraße, Nevigeser Straße und Elberfelder Straße. Das Gewerbegebiet Lieversfeld liegt umgeben von Wohngebieten und stellt daher die kritischste Gewerbelärmquelle mit deutlichern Überschreitungen dar. Der Sportplatz an der Goethestraße/Adalbert-Stifter-Straße ist mit Rang 12 der kritischste Sportplatz.

Für die einzelnen Lärmarten (Verkehrslärm, Gewerbelärm, Sport- und Freizeitlärm) liegen jeweils für tags und nachts bzw. für Ruhezeiten Einzelberechnungen vor. Im Rahmen dieser Informationen kann hier der Bericht zum Lärmminderungsplan sowie die Karten mit Darstellung des Summenlärm tagsüber und Summenlärm nachts „heruntergeladen“ werden.

Lärmminderungsplan der Stadt Velbert (pdf-Datei, 390 KB)

Schallimmissionskarte Nr. 10.1.11  "Summenlärm Prognose tagsüber" (pdf-Datei, 2 MB)

Schallimmissionskarte Nr. 10.1.12 – "Summenlärm Prognose nachts" pdf-Datei, 2 MB)


 Methodik der Lärmprognose

Eine Prognose der Geräuschsituation in Velbert kann nur eine Extrapolation aus der derzeitigen Situation unter Berücksichtigung aller zu erwartenden Veränderungen sein.

Als Voraussetzung für den Gewerbe-, Sport und Freizeitlärm wird für die Prognose angenommen, dass alle derzeit bekannten Flächen genutzt werden. Im Falle des Gewerbelärms wurden alle Gewerbegebiete und alle Flächen, die in Zukunft als Gewerbegebiete ausgewiesen werden sollen als Schallquellen in Weise berücksichtigt, wie es die Norm DIN 18005 für geplante Gewerbegebiete vorsieht. Aber dort wo es einen gewerblich -industriellen Bestand gibt, werden die zu berücksichtigenden Immissionen auf der Grundlage der genauer zu ermittelnden Emissionen verwendet. Für den Verkehrslärm wurde einmal der derzeitige Zustand auf das Prognosejahr 2015 hochgerechnet (Prognose-Nullfall) und einmal die bekannten Planungen (A 44, B 227) hinzugefügt (Prognosefall). Beim Verkehrslärm ist in der Prognosesituation die stillgelegte Eisenbahnstrecke durch Velbert-Mitte als vorhandene S-Bahnstrecke angenommen werden. Für ein geplantes, großes und überregionales Zentrum für Sport und Freizeitaktivitäten mussten in der Prognose pauschale Annahmen getroffen werden, da eine genaue Nutzung zurzeit noch nicht bekannt ist.

Datenmaterial

Im Gegensatz zu Luftschadstoffen gibt es bei der Belastung durch Lärm keinen Ferntransport. Die Lärmbelastung tritt immer in der Nähe der Quelle auf und die Schallausbreitung erfolgt nach strengen physikalischen Gesetzmäßigkeiten. Die Abnahme des Lärms beträgt bei punktförmigen Schallquellen 6 dB pro Verdoppelung des Abstandes, bei linienförmigen Schallquellen (Straßen und Schienen) um 4 dB pro Verdoppelung des Abstandes. Bei flächenförmigen Schallquellen sind die Gesetzmäßigkeiten komplizierter. Im Falle einer großflächigen Schallquelle nimmt der Schallpegel zunächst mit der Entfernung überhaupt nicht ab, um dann, wenn die Entfernung zur Schallquelle doppelt so groß ist wie die größte Abmessung der Schallquelle, wie bei einer Punktschallquelle abzunehmen. Die verwendeten Berechnungen der Pegelabnahme mit der Entfernung berücksichtigen die Abschirmung durch das Gelände und Gebäude sowie die erste Reflexion an Hauswänden.

Wie bei allen derartigen Berechnungen hängt die Qualität der Prognose von der Qualität des erhobenen Datenmaterials ab. Beim Straßenverkehrslärm lagen durchschnittliche tägliche Verkehrsmengen (DTV), nicht jedoch zum LKW-Anteil, vor. Da ab einem LKW-Anteil von 10 % die Lastkraftwagen den überwiegenden Anteil der Geräuschsituation ausmachen und die LKW-Anteile geschätzt wurden, hängt die Qualität der Prognose vom Modell der Schätzung ab. Im Falle des Straßenverkehrslärms beträgt der Unterschied zwischen der Tages- und der Nachtbelastung je nach Straßenart 3 bis 6 dB, der Unterschied der Orientierungs- oder Richtwerte jedoch 10 dB. Somit ist die Nachtzeit der kritische Zeitraum für die Lärmbelastung. Wenn nur DTV-Werte bekannt sind, muss die Verteilung auf die Tages- und die Nachtzeit geschätzt werden. Somit hängt die Qualität der schalltechnischen Beurteilung zur Nachtzeit von zwei Schätzmodellen ab. Verwendet wurde das Modell, welches in der RLS-90¹) der Bundesanstalt für das Straßenwesen für die Schätzung von Verkehrsmengen vorgeschrieben ist. Bekannt ist jedoch, dass dieses Modell die LKW-Anteile und somit auch die Beurteilungspegel überschätzt. Aus Vergleichsmessungen ist bekannt, dass diese Überschätzung circa 2 dB beträgt. Die Beurteilungen des Verkehrslärms sind daher eher über- als unterschätzt.

Um die Geräuschemission von Gewerbebetrieben beurteilen zu können, hätten für jeden einzelnen Betrieb Analysen stattfinden müssen. Da jedoch der Fehler in der schalltechnischen Beurteilung dann abnimmt, wenn viele Betriebe in Summe untersucht werden, wurde in den meisten Fällen von Standard-Annahmen ausgegangen. Die Geräuschemission beträgt auf gewerblichen Flächen im Mittel je Quadratmeter L“w=60 dB(A) tagsüber und L“w=45 dB(A) nachts. Dort, wo Abweichungen bekannt waren, wurden diese berücksichtigt. Da der Gewerbelärm in Deutschland der am stärksten kontrollierte Lärm ist, kann davon ausgegangen werden, dass die größten Lärmkonflikte durch Sanierungen bereits beseitigt sind. Auch vor diesem Hintergrund sind die pauschalen Annahmen als ausreichend anzusehen. Bei gewerblichen Neuansiedlungen oder wesentlichen Nutzungsänderungen dürfen bestimmte Immissionsrichtwerte nicht überschritten werden, da sonst weder eine baurechtliche noch eine immissionsrechtliche Genehmigung zulässig wäre. Alles in allem bildet die Beurteilung des Gewerbelärms eine zuverlässige Prognose ab.

Sport- und Freizeitlärm findet einerseits auf Freiflächen wie Freibädern, Sport- und Tennisplätzen und andererseits auf den zugeordneten Parkplätzen statt. Turnhallen erzeugen in der Regel keinen nach außen dringenden Lärm. Bei den berücksichtigten Schallquellen wurden zur Berechnung der Schallemissionen die anerkannten Emissionsansätze verschiedener Normen und Richtlinien²) verwendet. Diese sind so gewählt, dass eine Unterschätzung unwahrscheinlich ist. Auch im Falle des geplanten Sport- und Freizeitzentrums wurde von maximalen Ansätzen ausgegangen. Es ist also damit zu rechnen, dass die Geräuschebelastungen durch Sport- und Freizeitlärm eher niedriger liegen als berechnet. Dieser Fehler kann ebenfalls mit 2 dB angegeben werden.

¹) Der Bundesminister für Verkehr, Abt. Straßenbau: Richtlinien für den Lärmschutz an Straßen.

²) z.B. Landesumweltamt NRW: Merkblätter Nr. 10, Geräuschimmissionsprognose von Sport- und Freizeitanlagen - Berechnungshilfen - , Essen, Februar 1998 und: Verein Deutscher Ingenieure: VDI-Richtlinie 3770: Emissionskennwerte technischer Schallquellen: Sport- und Freizeitanlagen von April 2002

Maßnahmen der Überwachung

Da der Verkehrslärm in erster Linie eine Funktion der Verkehrsmenge ist, kann er auch durch Verkehrszählungen überwacht werden. Eine Halbierung der Verkehrsstärke würde den Lärm um 3 dB reduzieren. Da eine Verminderung des Verkehrs auf einer Strecke stets eine Zunahme an einer anderen Stelle zur Folge hat, sind die Möglichkeiten der Verkehrslärmminderung gering. Wichtig ist jedoch, dass bei der Verkehrsentwicklung auch Rücksicht auf die Lärmentwicklung in der Weise angenommen wird, dass an nachgewiesenen Schwerpunkten des Verkehrslärms und gleichzeitig hoher Anzahl Betroffener, Auswege gesucht werden. Hierzu soll der Lärmminderungsplan Hinweise zur Verfügung stellen.

Sind verkehrslenkende Maßnahmen durchgeführt worden, so ist es selbstverständlich, dass die Wirkung durch Verkehrserhebungen kontrolliert werden muss. Gegebenenfalls müssen die getroffenen Maßnahmen verändert werden. Als Beispiel sei die Einrichtung von verkehrsberuhigten Zonen genannt. Einerseits kann durch die Veränderung von Verkehr und die Reduktion der Fahrgeschwindigkeit eine Beruhigung erzielt werden. Doch muss bei der Errichtung von verkehrslenkenden Maßnahmen darauf geachtet werden, dass beispielsweise durch Aufpflasterungen, Schwellen oder Fahrbahneinengungen auch vermehrt örtliche Anfahrvorgänge hervorgerufen werden und überörtliche Verkehrsverlagerungen entstehen, die im ersten Fall den Vorbeifahrtpegel z. T. auf Werte anheben, wie sie vor Inbetriebnahme der Maßnahmen festgestellt wurden oder im zweiten Fall an anderer Stelle Mehrbelastungen hervorrufen.

Bezüglich des Gewerbe-, Sport- und Freizeitlärms besteht bereits ein dichtes Netz der Überwachung. Jeder Gewerbetreibende mit einer schallemittierenden Tätigkeit muss nachweisen, dass er die höchstzulässigen Richtwerte einhält. Auf Veranlassung eines eventuellen Beschwerdeführers werden Überwachungsmessungen seitens der Bezirksregierung Düsseldorf durchgeführt. Eine kontinuierliche Überwachung, wie z. B. bei der Luftreinhaltung, ist im Lärmbereich nur in der Nähe von Flughäfen vorgeschrieben. Gewerbebetriebe, die der Genehmigung gem. BImSchG unterliegen, müssen in regelmäßigen Anständen gem. §§ 26, 28 BImSchG stichprobenartige Überwachungsmessungen durchführen lassen

Stadt Velbert
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